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Es gibt Tage, da möchte man am liebsten im Bett bleiben. Der Kaffee schmeckt nicht, der Alte geht dir grundlos auf die Nerven, egal, was du anfängst, es scheint sinnlos und warum du dich nun ausgerechnet für diesen Beruf entschieden hast, will dir auch nicht einleuchten.

„Mensch“, sagst du und schaust aus dem Fenster, „die Sonne scheint und ich blase Trübsal!“ – je nachdem, wie es um dich steht, endet das in Selbstvorwürfen („Warum kann ich eigentlich nicht glücklich sein?“) oder du landest mit dem Kopf im Kühlschrank… womit wir wieder beim Thema wären…

An so einer Stelle ist ein Tagebuch oder ein Blog wie dieser von unschätzbarem Wert. Denn wenn du deine Tage mit dir selber teilst, dann siehst du, dass du schon einmal an genau diesem Punkt warst. All die Zweifel an dir, deiner Einstellung, deinem Leben, deinen Entscheidungen, die gab es schon einmal. Du hast nicht nur darüber gelesen, das hast du selbst schon mal erlebt!

Nur… was hast du DANACH gemacht? Gibt es danach gähnende Leere in deinem Tagebuch? Überlegst du dir, ob es die Bindung aushält, wenn du alle beschriebenen (alternativ: versauten, idiotischen, überflüssigen) Seiten rausreißt? Musst du den neuesten Blogpost mit „Ich mal wieder…“ anfangen? – Ja, das kenne ich! Abgebrochene Versuche („…Diät gemacht und wieder mal versagt“), unausgesprochener Zorn („…mumbel…“), mit jeder Menge Worte unterlegte Beteuerungen, warum Scheitern gar nicht so schlimm ist („…nur wer scheitert, kann auch erfolgreich sein“ – na klar! Und wann?)… ein wichtiger Hinweis ist sicher, dass es so viele abgebrochene Versuche gibt. Und wenn du ohnehin immer wieder von vorne anfängst, dann kannst du auch gleich dabei bleiben, oder?

Wie lange soll das noch so weiter gehen? Wann ist der Tag gekommen, an dem du nicht mehr in den Spiegel schauen magst? Das hier bist du, dein Leben und ohne dich läuft darin gar nix. Der einzige Mensch, der dabei sein wird, wenn du einmal gehst, bist du. Der einzige Mensch, der wirklich weiß, was du denkst und fühlst, bist du. Den Job kann dir niemand abnehmen. Ob du dich nun magst oder nicht, du bist hier ganz offensichtlich der Chef! Also mach was draus und lerne aus deinen Fehlern! Nur wie?

Ich bin kein Experte, aber helfen muss ich mir ja trotzdem. Denn was nach dem Besuch des Friedhofs der Tagebücher klar ist: SO funktioniert(e) es nicht. Ich sehe ein, dass sich nur dann etwas ändert, wenn ich mich ändere, mein Verhalten, meine Entscheidungen, mein Leben. Mit ganz kleinen, mühsamen Schritten. Jeden Tag. Also los!

Was du alles tun kannst, anstatt zu essen: Lies ein Buch. Nähe ein Kleid. Fang an zu stricken oder zu häkeln. Grab den Garten um. Räum die Spülmaschine aus. Wasch endlich die Sachen, die du immer ganz unten in den Wäschekorb tust. Bring Klamotten zur Reinigung. Müssen deine Stiefel nicht zum Schuhmacher? Wolltest du nicht dein Fahrrad auf Hochglanz bringen? Braucht deine Katze, dein Hund, dein Kind, dein Mann, deine Frau, deine Eltern Streicheleinheiten? Ruf einen alten Freund an. Kläre ein Missverständnis. Weine, wenn dir danach ist… mach halt irgendwas, bloß nicht ohne Hunger essen!

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